Über den Wolken
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. So heißt es zumindest. Kann ich heute überprüfen, denn die Wolken liegen so tief, dass sie nicht bis zum Eggekamm reichen sollen. Obwohl, Freiheit nehme ich mir schon am Startpunkt des ehemaligen Hydranten am Eingang des Gewerbegebietes Süd. Gemeinsam mit einer großen Läuferschar habe ich mich ein weiteres Mal eingefunden und entschieden, Bad Driburg zum Jahresabschluss zu umrunden. Die Strecke ist seit Jahrzehnten gleich, nur das Wetter bietet jedes Jahr unterschiedliche Bedingungen. Mit dem obligatorischen Böllerknall schickt Frank uns pünktlich um 10 Uhr auf die Strecke und wir beginnen mit der Erkundung des Nebels. Außer dem Weg kurz voraus und den säumenden Bäumen ist wenig zu erkennen. Wenn ich die Strecke nicht kennen würde, könnte ich die Steigung auf den ersten Kilometern nicht abschätzen können. So nehme ich die ersten Höhenmeter im mäßigen Tempo und reihe mich am Ende des Feldes ein. Erste markante Punkte mit der Reithalle und dem Trappistenhof schälen sich langsam aus dem Nebel und sind nach dem Passieren schnell wieder verschwunden.
Ich bemühe mich, den Anschluss nicht komplett zu verlieren, auch wenn die die nächsten Läuferinnen aus den Augen zu verlieren drohe. Das Flachstück beim Heinrichshof läßt mich langsam wieder aufschließen. Bremsen könnte mich lediglich die Eisschicht, die jetzt den Asphalt überzieht. Zumindest erschwert sie den Aufstieg. Gefühlt rutsche ich nach zwei Schritten einen zurück. Lisa und Mirijam, zu denen ich aufschließen kann, ergeht es nicht anders. Gemeinsam streben wir bergauf. Möglichst am Straßenrand, wo über die Blätter ein gefahrloseres Laufen möglich ist. Langsam aber steig gewinnen wir an Höhe. Die Sonne hat jetzt die Kraft, die Nebelwand und unsere Stimmung zu erhellen. Dann ist der Eggekamm bei Hep erreicht. Der Eggeweg führt uns hier nach Norden. Der Blick geht weit voraus bis zu nächsten Anhöhe. Unsere Schatten malen sich vor uns auf dem Wanderweg ab. Wir folgen ihnen und werden sich geführt. Eis unter den Füßen gibt es hier nicht. Der Untergrund ist nicht danach und die Sonne hat anscheinend auch schon dazu beigetragen.
Erst als wir im Schatten der Bäume in Richtung Schöne Aussicht abbiegen müssen wir wieder vorsichtiger auftreten. Eissplitter knirschen unter den Laufschuhen. Die schöne Aussicht bietet einen sonnigen Blick über die geschlossene Wolkendecke. Die Südstadt bleibt darunter verborgen. Wir laufen weiter in Richtung Stellberg, auf dem Wanderweg parallel zur Fahrstraße. Links ist der Wald vor Jahren der Trockenheit zum Opfer gefallen. Wir dürfen deshalb die Sonnenstrahlen genießen, die das Laufen zum Vergnügen machen. Aber auch das nächste schattige Waldstück bietet Abwechslung. Die Wiese zum Stellberg passieren wir rechter Hand. Der Nebel lässt wenig erkennen, ein neuer Turm ragt daraus hervor in den Himmel. Dann ist die alte B 64 erreicht. Die Autos sind erst spät zu erkennen, weshalb wir uns auf unser Gehör verlassen müssen, um die Straße zu queren. Bei der neuen B 64 ist das einfacher, die überqueren wir auf einer Brücke. Eisstücke färben sie weiß, lassen aber ein entspanntes Laufen zu.
Auf dem Weg zum Knochen laufen wir weiter durch eine weiße Wand, die von der Sonne erleuchtet ist. Die leicht frostigen Temperaturen haben den Untergrund gehärtet. Rutschen durch Schlamm ist heute nicht angesagt. Ebenso fehlt die Aussicht vom Knochen zum Köterberg. Rittergut und Bauernhof tauchen nur kurz in Sichtweite auf. Die Bäume am Fahrweg setzen sich filigran vom weißen Nebel ab. Auch hier ist der Asphalt von Eis überzogen. Hinab zum Reelser Kreuz setzen wir die Schritte entsprechend vorsichtig. Die Aussicht auf einen warmen Tee ist zwar verlockend, verleitet uns aber nicht dazu, uns vom Eggekamm hinunter ins Tal zu stürzen. So erreichen wir sicher den Verpflegungsstand und lassen uns von Michael und Frank den stärkenden Tee reichen.
Anschließend erklimmen wir die 3 Erhebungen des Rosenberges. Dass er an die Höhe des Eggekamms nicht heranreicht merken wir an den fehlenden Sonnenstrahlen, die nicht bis in diese Niederungen durchdringen. Der Wald wirkt fast gespenstisch. Vorbei kommen wir am Mausoleum derer von Oeynhausn-Sierstorpff, die allerdings hier nicht herumgeistern. So erreichen wir nicht gehetzt das Freibad, dass den Beginn des Anstiegs zum Steinberg markiert. Hinauf zur Spitze brauchen wir nicht, wir umlaufen ihn an der Ostseite. Der Nebel hebt sich auch auf den letzten Kilometer nicht. Den Blick auf die Schwalle und schon gar nicht auf das Weberdorf Alhausen dürfen wir heute genießen. Dafür laufen wir ungebremst hinunter zur Josefsmühle. Auch die Bahn hält uns nicht auf, der Zug ist gerade durch und die Schranken wieder offen.
Fehlt nur noch die Umrundung des Sulbergs mit dem letzten herausfordernden Anstieg. Tapfer laufen wir die ersten Meter um den Rest doch gehend zu bewältigen. Dann bleibt nur noch eine lang gezogene Rechtskurve, die wir locker bewältigen. Der gefrorene Bach erinnert an die herrschende Kälte und lässt uns das Ende unserer heutigen Runde sehnsüchtig erwarten. Höhenmeter sind nicht mehr zu bewältigen und auch der Asphalt hält kein Eis mehr für uns bereit. Nur noch eine Rechts- und eine Linkskurve und die Ziellinie ist in Sicht. Wir werden bereits erwartet und entsprechend angefeuert. Gesund und munter erreichen wir das Ziel am ehemaligen Hydranten. Michael und Frank erwarten uns erneut mit warmem Tee und lassen uns die eisigen Temperaturen vergessen. Ich freue mich über eine weiter Umrundung Bad Driburgs, mal wieder in netter Laufgesellschaft und auf Bernhards Urkunde, die er krankheitsbedingt erst später überreichen kann. Ihm gute Besserung und gemeinsam mit Michael und Frank Dank für den nächsten wunderschönen Jahresabschluss.
Autor: Markus Pitz