Frostige Tradition - Rund um Driburg

Seit langem laufe ich gerne zum Abschluss des Jahres rund um Bad Driburg. Einer Idee von Bernhard und Frank folgend. Selbst Corona konnte dieser Tradition nichts anhaben, nur der Ablauf hat sich seit letztem Jahr deshalb verändert. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren erfolgt der Start nicht mehr gemeinsam um 10.00 Uhr sondern jeder kann sich im Laufe des Vormittags alleine oder in kleineren Gruppen auf den Weg machen. Ich nutze diese Möglichkeit um gegen kurz nach halb acht gemeinsam mit Wolfgang zu starten. Bei knackigen – 8,5 Grad steigen wir an der Stelle, die früher ein roter Hydrant geziert hat aus dem Auto. Warten brauchen wir nicht und nach einem Selfie begeben wir uns umgehend auf die Strecke. Noch ist es dunkel, aber die Morgendämmerung kündigt sich schon an. Vorbei an der Reithalle gewinnen wir auf dem Weg zum Eggekamm langsam an Höhe. In der frühen Morgenstunde leuchtet uns der Weihnachtsbaum am Trappistenhof entgegen, seitlich im Tal die friedliche Stadt.

Auch der Heinrichshof strahlt noch hell beleuchtet. Doch schon kurz darauf, auf dem Weg zu Hep verblassen diese Eindrücke vor den Aussichten, die sich in Richtung Osten auftun. Die Wolken leuchten strahlend weiß am Himmel, direkt über den Bergrücken färbt die aufgehende Sonne sie in einem Streifen blutrot. Der frühe Start hat sich jetzt schon gelohnt, zumal wir kurz darauf den Eggekamm erreichen und die anspruchsvollste Steigung bereits hinter uns liegt. Der Eggeweg liegt hell und einladend vor uns. In den vergangenen Jahren war es hier noch deutlich dunkler, doch aufgrund der Trockenheit der vergangenen Jahre wurden große Waldflächen gerodet. Auch wenn jeder fehlende Baum schmerzt, so sind die neuen Ausblicke eine willkommene Abwechslung. Zum Glück ändert sich jedoch nicht alles und wir genießen die schöne Aussicht über die Südstadt. Ein müder Wanderer nutzt die Schutzhütte als Schlafplatz.

Die Zufahrtsstraße zur Sachsenklause belaufen wir Richtung Norden. Gerne hätten wir, wie sonst auch, den parallel führenden Wanderweg genutzt, doch auf diesem versperren noch zahlreiche gefällte Bäume die Laufstrecke und eine Kletterpartie muss es heute auch nicht sein. Dafür biegen wir kurz vor der Driburger Hütte wieder rechts in den Wald ab. In Richtung Stellberg folgen wir dem Waldessaum über die mit Schnee gepuderte Wiese. Das Gras knirscht sanft unter den Laufschuhen. Weiter laufen wir in Richtung Knochen. Auch hier sind viele Bäume der Trockenheit der letzten Jahre zum Opfer gefallen. Dafür lässt sich der Weg an den kommende Abzweigungen leichter finden. Am Knochen angekommen verlassen wir den dichten Wald. Über das offene Feld hinab zum Reelser Kreuz. Die Sonne malt immer noch einen schmalen roten Streifen am Horizont. Ein strammer Wind erschwert die Unterhaltung, aber nur kurz, denn bald durchlaufen wir das nächste Waldstück. Trotz der klirrenden Kälte ist die Straße nicht vereist und wir erreichen sicher das Reelser Kreuz.

Eigentlich habe ich mich schon auf den heißen Tee, der sonst hier an die müde Läuferschar ausgeschenkt wird, gefreut, doch aufgrund des großen Zeitfensters für den Lauf fehlt die Verpflegungsstelle. Doch Wolfgang war so vorausschauend, dass wir uns bei den eisigen Temperaturen auch heute aufwärmen können. Das heiße Wasser aus der mitgeführten Thermosflasche wird mit dem entsprechenden Pulver zu einer herrlichen schwedischen Blaubeersuppe vermischt. Der Genuss lässt uns einige Minuten verweilen. Doch schnell ist sie ausgetrunken und die Kälte zieht uns in Hände und Rücken, so laufen wir gestärkt schnell wieder an. Die Sonne strahlt über den Rosenberg, hat aber noch nicht die Kraft, uns angenehm zu erwärmen. Das müssen wir laufend selber tun. Da kommt die Treppe am Freibad gerade recht, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Schnell liegt auch diese Steigung hinter uns und wir laufen hinunter zum Bahnübergang. Die Linkskurve die uns entlang der Bahnstrecke führt habe ich vor einigen Monaten nicht belaufen könne, da hier das Wasser knöcheltief stand. Heute hätte es eine schöne Eisfläche gegeben, wie die kommenden Pfützen beispielhaft zeigen.

Beinahe hätten wir noch an der Bahnschranke halten müssen, denn als wir sie erreichen beginnt das rote Signal zu leuchten. Als die Schranken sich senken haben wir es gerade noch über die Gleise geschafft und uns bleibt eine Zwangspause in der Kälte erspart. Wir sind klar zum Endspurt. Doch es bleibt noch Zeit für einige Fotostopps. Die sonnenbeschienenden Wolkenfelder in Richtung Südwesten sind zu herrlich, um sie zu ignorieren. Die letzte Steigung zum Sulberg hätten wir auch laufend geschafft, wenn nicht der neue Ausblick auf den Steinberg hätte festgehalten werden müssen. Anschließend laufen wir den letzten Kilometer locker zurück zum Gewerbegebiet Süd und freuen uns über ein neues Kapitel Driburger Lauftradition. Festgehalten haben wir vor dem aufgestellten Banner des run for fun. Das Foto wird an Bernhard versendet, der uns daraus wie immer eine wunderschöne Urkunde fertigt, die in der kommenden Woche abgeholte werden kann.

Auch der diesjährige Lauf hat bewiesen, dass es nie langweilig wird. Deshalb gilt auch heute unser Dank Bernhard und Frank, die Rund um Driburg initiiert haben und auch noch nach Jahrzehnten liebevoll begleiten. Und trotz der schönen Eindrücke freue ich mich jetzt schon auf das kommende Jahr, wenn wir hoffentlich wieder gemeinsam auf die Strecke gehen können.

26.12.2021

Autor: Markus Pitz

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